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Altersvorsorgedepot ab 2027: Chancen und Risiken der Riester-Reform

Die Bundesregierung plant ab 2027 eine umfassende Reform der Riester-Rente. Hintergrund ist der deutliche Rückgang bei Neuabschlüssen seit 2018. Hauptkritikpunkte an der bisherigen Riester-Förderung sind:

Veröffentlicht: 12. März 2026

Altersvorsorgedepot ab 2027: Chancen und Risiken der Riester-Reform

Hintergrund: Warum wird die Riester-Rente reformiert?

Die Bundesregierung plant ab 2027 eine umfassende Reform der Riester-Rente. Hintergrund ist der deutliche Rückgang bei Neuabschlüssen seit 2018. Hauptkritikpunkte an der bisherigen Riester-Förderung sind:

  • Hohe und oft intransparente Kosten
  • Geringe Renditen
  • Komplexe Förderregeln
  • Mangelnde Flexibilität
  • Unübersichtliche Produktlandschaft

Mit der Reform soll die staatlich geförderte private Altersvorsorge attraktiver, renditestärker und moderner werden.

Das neue Altersvorsorgedepot: Was ist geplant?

Kernstück der Reform ist das Altersvorsorgedepot, das ab Januar 2027 eingeführt werden soll. Es ermöglicht erstmals, staatlich gefördert in Aktienfonds und ETFs für den Ruhestand zu sparen. Im Gegensatz zur bisherigen Riester-Rente entfällt die Pflicht zur 100-prozentigen Kapitalgarantie. Dadurch können die Guthaben überwiegend oder vollständig am Aktienmarkt investiert werden, was höhere Renditechancen eröffnet.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

  • Staatlich gefördertes Depot mit ETF-Sparplänen
  • Keine vollständige Kapitalgarantie mehr erforderlich
  • Förderung über Zulagen und Steuerersparnisse
  • Neue Auszahlpläne statt verpflichtender lebenslanger Rente
  • Kostenobergrenze von 1,5 Prozent pro Jahr

Kritik: Kosten und Beratung bleiben Schwachstellen

Verbraucherschützer begrüßen die Öffnung für ETFs, kritisieren aber weiterhin hohe Kosten und Fehlanreize im Vertrieb. Die geplante Kostenobergrenze von 1,5 Prozent pro Jahr klingt niedrig, schmälert aber bei langer Laufzeit die Rendite erheblich. Bei 40 Jahren Laufzeit und 5 Prozent Bruttorendite kommt nur etwa die Hälfte der Kapitalmarkterträge tatsächlich bei den Sparenden an.

Ein weiteres Problem: Die Beratung bleibt oft verkaufsorientiert. Vermittler empfehlen meist Produkte mit hohen Provisionen, nicht unbedingt die besten oder günstigsten für die Kundinnen und Kunden. Ein staatlich organisiertes, kostengünstiges Standardprodukt – wie in Schweden mit dem AP7-Fonds – fehlt weiterhin.

Förderung und neue Auszahlregeln

Die Förderung wird ab 2027 neu geregelt. Die Grundzulage beträgt 30 Prozent auf bis zu 1.200 Euro Einzahlung jährlich (ab 2029: 35 Prozent). Für zusätzliche Einzahlungen bis 600 Euro gibt es 20 Prozent Zulage. Kinderzulagen und ein Berufseinsteiger-Bonus sind ebenfalls vorgesehen. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro pro Jahr.

Neu ist auch die Möglichkeit, statt einer lebenslangen Rente einen Auszahlplan zu wählen – etwa bis zum 85. oder 95. Lebensjahr. Das kann zu höheren monatlichen Auszahlungen führen, birgt aber das Risiko, dass das Geld bei sehr hohem Alter nicht reicht.

Was bedeutet das für Sparer?

Für Sparerinnen und Sparer ergeben sich mit dem Altersvorsorgedepot neue Chancen, aber auch Risiken:

  • Höhere Renditechancen durch Aktien- und ETF-Anlagen
  • Wegfall der Kapitalgarantie erhöht das Risiko von Verlusten
  • Hohe Kosten können Rendite deutlich schmälern
  • Komplexere Produktlandschaft und Förderbedingungen
  • Beratungsqualität bleibt kritisch – unabhängige Information ist wichtig

Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, sollte abwarten, wie sich die neuen Angebote ab 2027 entwickeln. Ein Wechsel kann sich lohnen, muss aber individuell geprüft werden.

Primärquelle: www.verbraucherzentrale.de

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer eigenständigen redaktionellen Einordnung. Zahlen und Aussagen werden vor Freigabe gegen die Originalquelle geprüft.