Riester zum Altersvorsorgedepot übertragen: Was du wissen musst
Ab 2027 können Sparer ihr bestehendes Riester-Kapital auf ein Altersvorsorgedepot übertragen. Das Gesetz sieht eine Übertragungsoption vor, die das angesammelte Kapital ohne steuerliche Nachteile und ohne Rückforderung der erhaltenen Zulagen in das neue Modell portiert.
Ob eine Übertragung sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Riester-Vertrag ab. Diese Seite erklärt die Grundregeln, zeigt die Unterschiede zwischen Übertragung und Kündigung und hilft dir, die richtige Entscheidung für deinen Fall zu treffen.
Übertragen oder kündigen? Das ist der entscheidende Unterschied
Viele verwechseln "Riester übertragen" mit "Riester kündigen". Das sind zwei grundlegend verschiedene Vorgänge mit sehr unterschiedlichen Konsequenzen:
- Übertragung: Das angesparte Kapital wechselt den "Behälter" — vom alten Riester-Vertrag ins neue Altersvorsorgedepot. Das Kapital bleibt im steuerlich begünstigten System. Erhaltene Zulagen müssen nicht zurückgezahlt werden.
- Kündigung: Du steigst vollständig aus dem geförderten System aus. Das gilt steuerlich als "schädliche Verwendung". Alle erhaltenen Zulagen (Grundzulage, Kinderzulage, Berufseinsteigerbonus) werden vom Finanzamt zurückgefordert. Zusätzlich können steuerlich geltend gemachte Sonderausgabenabzüge nachversteuert werden.
Fazit: Eine Kündigung ist in fast allen Fällen die schlechtere Wahl. Wer aus einem Riester-Vertrag heraus will, sollte immer zunächst prüfen, ob eine Übertragung möglich ist.
Wann lohnt sich die Übertragung?
Nicht jeder Riester-Vertrag ist ein Kandidat für eine Übertragung. Diese Punkte sprechen dafür, den Schritt ernsthaft zu prüfen:
- Hohe Kosten beim alten Vertrag: Besonders klassische Riester-Rentenversicherungen aus den frühen 2000er-Jahren haben oft hohe laufende Verwaltungskosten und Abschlussgebühren, die die Förderung erheblich auffressen. Wenn die effektiven Gesamtkosten dauerhaft über 1,5–2% liegen, lohnt sich ein Vergleich mit günstigeren AVD-Anbietern.
- Schlechte Produktqualität: Riester-Policen mit niedrigen Garantiezinsen, eingeschränkter Anlage in Kapitalmarktprodukte oder intransparenter Kostenstruktur profitieren wenig vom Zinseszinseffekt.
- Lange verbleibende Laufzeit: Je mehr Jahre bis zur Rente verbleiben, desto stärker wirken Kostenunterschiede auf das Endkapital. Wer noch 20 oder mehr Jahre bis zum Rentenalter hat, kann von einem Wechsel langfristig erheblich profitieren.
- Wunsch nach ETF-naher Anlage: Das Altersvorsorgedepot ermöglicht direkte Investition in ETFs. Wenn dein Riester-Anbieter das nicht oder nur eingeschränkt zulässt, bietet der Wechsel eine strukturell bessere Anlagebasis.
Wann besser beim Riester bleiben?
In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, den Riester-Vertrag zu behalten:
- Kurze Restlaufzeit: Wenn du in wenigen Jahren in Rente gehst, sind die Transferkosten (manche Anbieter erheben Wechselgebühren) und der organisatorische Aufwand möglicherweise nicht durch den Renditevorteil gedeckt.
- Günstige Konditionen: Wenn dein bestehender Riester-Fondssparplan bereits kostensensibel in ETFs investiert und die Gesamtkosten unter 0,5–0,7% liegen, ist der Wechselvorteil gering.
- Laufende Riester-Rentenversicherung mit hohem Deckungsstock: Bei klassischen Versicherungsverträgen mit garantierter Rentenauszahlung können individuelle Versicherungsaspekte (Langlebigkeit, Hinterbliebenenschutz) ein Argument sein, den Vertrag weiterzuführen.
Wie funktioniert die Übertragung konkret?
Der genaue Ablauf hängt vom alten Anbieter und vom neuen AVD-Anbieter ab. Der grundlegende Prozess läuft typischerweise in folgenden Schritten:
- Neuen AVD-Anbieter wählen: Vergleiche Kosten, Produktqualität und Übertragungskonditionen. Nutze den Depotvergleich für einen strukturierten Überblick.
- Übertragungsauftrag stellen: In der Regel stellt der neue Anbieter den Übertragungsantrag stellvertretend für dich. Du unterschreibst die Vollmacht und den neuen Vertrag.
- Wertermittlung und Transfer: Der alte Anbieter ermittelt den aktuellen Depotwert und überweist das Kapital an den neuen Anbieter. Bei Fonds kann das je nach Abwicklungsprozess einige Wochen dauern.
- Zulagenantrag beim neuen Anbieter: Ab dem Übertragungsjahr beantragst du die staatliche Förderung beim neuen Anbieter. Die bisherigen Zulagen werden nicht berührt.
Wichtig: Frag beim alten Anbieter vorab nach möglichen Transfergebühren und der Kündigungsfrist. Manche Riester-Versicherer erheben einmalige Wechselkosten oder verlangen eine Frist von mehreren Wochen.
Was passiert mit meinen alten Zulagen?
Bei einer ordnungsgemäßen Übertragung bleiben alle bisher erhaltenen Zulagen erhalten. Das Kapital wechselt lediglich den Anbieter, bleibt aber im selben steuerlich privilegierten System. Der Staat fordert keine alten Zulagen zurück.
Anders verhält es sich, wenn du das übertragene Kapital später für einen nicht-Altersvorsorge- Zweck entnimmst. Das würde als "schädliche Verwendung" gelten – dann erst würden Zulagen anteilig zurückgefordert.
Steuerliche Behandlung des übertragenen Kapitals
Das Kapital aus einem Riester-Vertrag wurde über die Jahre steuerbegünstigt angespart. Bei der Übertragung in ein Altersvorsorgedepot gilt:
- Die Übertragung selbst ist steuerlich neutral – kein steuerpflichtiger Vorgang
- Das Kapital verbleibt im "begünstigten Topf" und wird erst bei Auszahlung im Alter besteuert
- Die nachgelagerte Besteuerung beim AVD gilt dann für das gesamte Kapital – inklusive des übertragenen Riester-Anteils
Eine individuelle steuerliche Prüfung lohnt sich besonders dann, wenn du im Riester über den Sonderausgabenabzug (§10a EStG) Steuervorteile genutzt hast und unklar ist, wie diese im Rahmen des AVD weitergeführt werden. Im Zweifel ist ein Steuerberater die richtige Anlaufstelle für deine konkrete Situation.
Welche Riester-Varianten lassen sich einfacher übertragen?
Nicht alle Riester-Produkte sind gleich leicht zu übertragen:
- Riester-Fondssparplan: Gut übertragbar. Fondsanteile werden liquidiert und als Kapitalbetrag zum neuen Anbieter transferiert. Unkompliziert, aber es gibt eine kurze Phase "außerhalb des Marktes" während der Übertragung.
- Riester-Banksparplan: Gut übertragbar. Klar definierter Kapitalstand, keine Fonds-Liquidation nötig.
- Riester-Rentenversicherung: Komplexer. Versicherungsgesellschaften haben eigene Abläufe, und der "Rückkaufswert" einer Police kann unter dem nominalen Kapitalstand liegen, besonders in den ersten Jahren nach Abschluss. Prüfe vorab den aktuellen Rückkaufswert beim Versicherer.
- Wohn-Riester: Übertragung in ein AVD ist nicht vorgesehen, da das Kapital bereits in Immobilienvermögen gebunden ist. Hier gelten separate Regelungen.
Fazit: Übertragen fast immer besser als kündigen
Wer seinen Riester-Vertrag auflösen möchte, sollte die Übertragung auf ein Altersvorsorgedepot der Kündigung fast immer vorziehen. Die Übertragung erhält alle bisher erhaltenen Zulagen, ist steuerlich neutral und kann langfristig durch günstigere Konditionen und bessere Produktstruktur Vorteile bringen.
Die entscheidenden Fragen vor einem Wechsel:
- Wie hoch sind die aktuellen Kosten deines Riester-Vertrags?
- Wie viele Jahre bis zur Rente verbleiben noch?
- Erhebt dein alter Anbieter Transfergebühren?
- Wie hoch ist dein aktueller Rückkaufswert (bei Versicherungen)?
Erst wenn diese Zahlen auf dem Tisch liegen, lässt sich die Entscheidung belastbar treffen. Für eine erste Einordnung nutze den Förderrechner und den Depotvergleich als Ausgangspunkte.
FAQ: Riester zum Altersvorsorgedepot wechseln
Kann ich meinen Riester wirklich verlustfrei übertragen?
Bei einer ordnungsgemäßen Übertragung verlierst du keine erhaltenen Zulagen. Steuerlich ist die Übertragung neutral. Mögliche Kosten sind Transfergebühren des alten Anbieters und der Rückkaufswert bei Versicherungsverträgen, der unter dem nominellen Kapitalstand liegen kann.
Ab wann ist die Übertragung möglich?
Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Übertragungen von bestehenden Riester-Verträgen sind damit frühestens ab diesem Datum möglich.
Muss ich aktiv werden, oder passiert die Übertragung automatisch?
Du musst aktiv werden. Es gibt keine automatische Migration. Du wählst einen neuen Anbieter, erteilst den Übertragungsauftrag und der neue Anbieter koordiniert den Transfer mit dem alten.
Was ist, wenn ich meinen Riester kündige statt zu übertragen?
Eine Kündigung gilt als schädliche Verwendung. Der Staat fordert alle erhaltenen Zulagen zurück. Steuerlich geltend gemachte Sonderausgabenabzüge können nachversteuert werden. Kündigung ist fast immer die schlechtere Alternative zur Übertragung.
Kann ich auch nur einen Teil des Riester-Kapitals übertragen?
Das hängt von den Regelungen deines bestehenden Anbieters und den gesetzlichen Vorgaben ab. In der Regel ist eine vollständige Übertragung vorgesehen. Teilübertragungen müssen im Einzelfall geprüft werden.
Was passiert mit dem Wohn-Riester?
Wohn-Riester (gefördertes Eigenkapital für Immobilienerwerb) folgt eigenen Regelungen. Das gebundene Kapital ist bereits in die Immobilie geflossen und kann nicht in ein Altersvorsorgedepot transferiert werden. Hier gelten separate Rückzahlungsregeln.