Neue Studie stellt den Kundennutzen vieler Riester- und Rürup-Renten infrage
Eine neue Analyse von Finanzwende erhöht den Druck auf klassische Riester- und Rürup-Rentenversicherungen. Der Vorwurf: Viele der untersuchten Tarife liefern über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg keinen ausreichenden realen Ertrag. Für Sparer ist das relevant, weil es bei Altersvorsorge nicht nur darum geht, ob Kapital aufgebaut wird, sondern ob nach Kosten, Inflation und späterer Verrentung tatsächlich ein spürbarer Nutzen übrig bleibt.
Genau hier setzt die Studie an. Sie bewertet nicht nur die Ansparphase, sondern die komplette Produktlogik: also Einzahlungen, Kosten, Renditeerwartung und die Bedingungen in der späteren Auszahlungsphase. Das macht die Ergebnisse besonders interessant, weil viele Vorsorgeprodukte auf den ersten Blick solide wirken, in der Praxis aber deutlich schwächer ausfallen können als Werbeversprechen vermuten lassen.
Was genau untersucht wurde
Laut Finanzwende wurden 18 Riester- und 78 Rürup-Rentenversicherungen untersucht. Die Datengrundlage waren offizielle Muster-Produktinformationsblätter aus dem November 2025. Ziel der Analyse war die Frage, welchen konkreten Kundennutzen diese Angebote heute für Menschen haben, die Kapital für das Alter aufbauen wollen.
Wichtig für die Einordnung: Die Studie bewertet nicht jede Form privater Altersvorsorge pauschal, sondern konkrete Versicherungstarife innerhalb der beiden geförderten Produktwelten Riester und Rürup. Das erhöht die Aussagekraft, weil nicht mit allgemeinen Behauptungen gearbeitet wird, sondern mit Produktdaten und einem nachvollziehbaren Bewertungsmaßstab.
Das Kernproblem: Viele Tarife schaffen nicht einmal den realen Werterhalt
Besonders deutlich ist das zentrale Ergebnis der Analyse: Zwei Drittel der untersuchten Rententarife erreichen über die gesamte Vertragslaufzeit nicht einmal ein Renditeziel von 2 Prozent. Aus Sicht von Finanzwende ist das die Mindestmarke, damit langfristige Vorsorgeprodukte zumindest Kosten und einen Inflationsausgleich abdecken.
Diese 2-Prozent-Marke ist dabei kein gesetzliches Versprechen und auch keine garantierte Rendite. Sie dient in der Studie als einfache und nachvollziehbare Schwelle für die Frage, ob ein Produkt aus Verbrauchersicht überhaupt einen angemessenen realen Nutzen liefert. Bleibt ein Vertrag darunter, wächst das Vermögen zwar möglicherweise nominal, real kann die Kaufkraft aber trotzdem zu schwach steigen oder sogar sinken.
- Untersucht wurden 96 Tarife insgesamt.
- Ein großer Teil der Angebote verfehlte laut Studie die 2-Prozent-Schwelle.
- Die Studie betrachtet bewusst nicht nur die Sparphase, sondern auch die Rentenphase.
Warum Kosten bei Riester und Rürup so stark ins Gewicht fallen
Ein zentrales Ergebnis der Analyse betrifft die Kostenstruktur. Im Marktmittel bleiben laut Finanzwende 35 bis 45 Prozent des eingezahlten Geldes zunächst beim Anbieter hängen. In dieser Betrachtung sind nicht nur maximale Abschluss- und Verwaltungskosten enthalten, sondern auch zusätzliche Sicherheitszuschläge für den Versicherungsschutz.
Das ist für Sparer deshalb so problematisch, weil Altersvorsorgeprodukte meist über Jahrzehnte laufen. Jeder Euro, der nicht investiert wird, kann in dieser Zeit auch keine Rendite erwirtschaften. Hohe Anfangs- und laufende Kosten wirken daher nicht nur einmalig, sondern bremsen den langfristigen Vermögensaufbau über viele Jahre hinweg.
Genau daraus erklärt sich auch, warum staatliche Förderung allein kein Qualitätsmerkmal ist. Zulagen oder Steuervorteile können helfen, schwache Produktstrukturen aber nicht automatisch ausgleichen. Entscheidend bleibt, wie effizient ein Produkt konstruiert ist und wie viel vom eingezahlten Geld tatsächlich für den Sparer arbeitet.
Warum die Auszahlungsphase in der Praxis oft unterschätzt wird
Viele Vergleiche von Altersvorsorgeprodukten schauen fast ausschließlich auf die Ansparphase. Bei Riester- und Rürup-Renten greift das jedoch zu kurz. Denn diese Produkte enden typischerweise nicht mit einer freien Kapitalauszahlung, sondern mit einer Verrentung des angesparten Kapitals.
Genau deshalb ist die Rentenphase für die Bewertung entscheidend. Wenn ein Tarif in der Auszahlungslogik unattraktiv kalkuliert ist, kann ein zuvor ordentlich wirkender Vertrag am Ende trotzdem nur einen begrenzten Nutzen bieten. Die Studie argumentiert deshalb, dass man bei geförderten Renten nicht nur eine Vertragshälfte betrachten darf.
Nach Auswertung von Finanzwende müssten Versicherte je nach Angebot teils sehr alt werden, um ihr eingezahltes Geld inflationsbereinigt zurückzuerhalten. Das zeigt, wie stark die Bedingungen der Verrentung die tatsächliche Gesamtbilanz beeinflussen können.
Was Leser daraus mitnehmen können
- Nicht nur auf Förderung und Steuerargumente achten.
- Produktkosten und spätere Auszahlungslogik gemeinsam betrachten.
- Nominale Entwicklung nicht mit realem Vermögenszuwachs verwechseln.
- Vorsorgeprodukte immer über die gesamte Laufzeit beurteilen.
Warum die Studie politisch und für den Markt relevant ist
Die Analyse trifft auf eine ohnehin kritische Debatte über die Zukunft der geförderten privaten Altersvorsorge. Die Riester-Rente gilt seit Jahren als reformbedürftig, auch weil Komplexität, Kosten und mangelnde Transparenz immer wieder kritisiert werden. Die Finanzwende-Studie verschärft diese Debatte, weil sie nicht nur abstrakte Schwächen beschreibt, sondern konkrete Hinweise auf geringen Kundennutzen vieler untersuchter Tarife liefert.
Für Leser von Rentendepot.net ist das vor allem deshalb relevant, weil sich die Diskussion um neue und flexiblere Vorsorgemodelle dadurch weiter zuspitzt. Wer den Reformhintergrund besser verstehen möchte, findet hier auch weiterführende Einordnungen zu Altersvorsorgedepot 2027, zu Riester oder Altersvorsorgedepot sowie zu Förderung und Steuern beim Altersvorsorgedepot.
Was die Ergebnisse für Sparer bedeuten
Die Studie sagt nicht, dass automatisch jeder bestehende Riester- oder Rürup-Vertrag wertlos ist. Sie zeigt aber deutlich, dass viele Tarife nur begrenzten realen Nutzen bieten und dass Verbraucher bei langfristigen Vorsorgeverträgen sehr genau auf Kosten, Transparenz und Auszahlungsbedingungen achten sollten.
Gerade bei Altverträgen ist deshalb eine nüchterne Betrachtung sinnvoll: Wie hoch sind die laufenden Kosten? Wie transparent ist das Produkt? Welche Regeln gelten in der Auszahlungsphase? Und wie groß ist der Abstand zu renditeorientierteren, kostengünstigeren Alternativen?
Für einen ersten systematischen Vergleich können auch unsere Tools hilfreich sein, etwa der Altersvorsorgedepot-Rechner oder der Vergleich Altersvorsorgedepot vs. ETF-Depot. Sie ersetzen keine individuelle Beratung, helfen aber dabei, Unterschiede in Struktur, Förderung und langfristiger Wirkung besser einzuordnen.
Quelle der Meldung
Quelle: Finanzwende, „Riester- und Rüruprenten: Leider teuer“ , veröffentlicht am 11.03.2026.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der redaktionellen Einordnung und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.