Wie viele Deutsche profitieren vom Altersvorsorgedepot? Eine Analyse
Stand: Juli 2026. Eigene Analyse und Schätzungen auf Basis öffentlich zugänglicher Daten. Die genannten Zahlen sind Schätzwerte und keine amtlichen Statistiken.
Das Altersvorsorgedepot (AVD) startet am 1. Januar 2027 und verspricht, die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend zu reformieren. Doch wie viele Menschen profitieren tatsächlich? Wer ist berechtigt, wer wird das System wirklich nutzen, und was bedeutet das in Euro und Cent für den Staatshaushalt?
Wer ist berechtigt? Schätzung des Potenzials
Die Förderberechtigten umfassen nach dem Gesetz mehrere Gruppen:
- Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: Rund 45 Millionen Menschen in Deutschland zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein — die mit Abstand größte Gruppe.
- Selbstständige und Freiberufler: Schätzungsweise 4,5 Millionen Selbstständige sind nun erstmals vollständig förderberechtigt — ein erheblicher Unterschied zu Riester.
- Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke: Rund 500.000 Angehörige von Freien Berufen (Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Apotheker) sind ebenfalls förderberechtigt.
In der Summe könnten damit rund 50 Millionen Menschen in Deutschland grundsätzlich Anspruch auf die staatliche AVD-Förderung haben. Das entspricht rund 60 % der deutschen Bevölkerung — und deutlich mehr als die Nutzerzahl von Riester jemals erreicht hat.
Wie viele werden das AVD tatsächlich nutzen?
Potenzielle Berechtigung ist nicht gleich tatsächliche Nutzung. Ein Vergleich mit Riester hilft: Riester hatte auf dem Höhepunkt rund 16 Millionen Verträge. Viele dieser Verträge sind mittlerweile ruhend oder beitragsfrei gestellt.
Für das AVD sprechen bessere Ausgangsbedingungen als für Riester:
- Deutlich einfachere Förderlogik (kein komplizierter Mindesteigenbeitrag)
- Niedrigerer Mindestbeitrag (120 Euro/Jahr statt 4 % des Einkommens)
- Erweiterter Berechtigtenkreis (Selbstständige erstmals dabei)
- Mehr Transparenz durch Kostenlimit und Depot-Struktur
Eine realistische Schätzung: Wenn das AVD ähnlich wie Riester auf dem Höhepunkt angenommen wird, könnten mittel- bis langfristig 10 bis 20 Millionen aktive Verträge entstehen. Ein vorsichtiges Szenario bei mangelnder Bekanntheit: 8 Millionen in den ersten fünf Jahren.
Was bedeutet das in Euro? Das Fördervolumen
Im mittleren Szenario würde der Staat jährlich rund 2,7 Milliarden Euro an Grundzulagen ausschütten — plus Kinderzulagen, die je nach Inanspruchnahme weitere Milliarden hinzufügen können. Das Riester-System kostete in seinen Spitzenjahren den Staat rund 4 Milliarden Euro jährlich an Zulagen und Steuervorteilen.
Der Familienvorteil: Das Maximum ausschöpfen
Besonders attraktiv wird das AVD für Familien mit Kindern:
- Eigenbeitrag: 1.800 Euro/Jahr
- Grundzulage: 540 Euro
- Kinderzulage (2 Kinder): 600 Euro (2 × 300 Euro)
- Gesamte staatliche Förderung: 1.140 Euro pro Jahr
Der Staat trägt damit mehr als 38 % des Gesamtsparbetrags von 2.940 Euro. Für eine Familie, die 15–20 Jahre lang Kinderzulage erhält, summiert sich das auf 17.100 bis 22.800 Euro allein an Kinderzulagen — ohne Grundzulage.
Die Selbstständigen-Chance: Eine unterschätzte Gruppe
Rund 4,5 Millionen Selbstständige hatten bisher keinen Zugang zu staatlich geförderter Altersvorsorge über Riester. Diese Gruppe hat strukturell zu wenig für das Alter gespart. Das AVD öffnet diese Tür. Wenn nur 20 % der Selbstständigen das AVD aktiv nutzen, wären das 900.000 neue Verträge — mit einem geschätzten Zulagenvolumen von über 400 Millionen Euro jährlich.
Fazit: Ein System mit großem Reichweitenpotenzial
Das Altersvorsorgedepot hat das Potenzial, die private Altersvorsorge in Deutschland deutlich breiter aufzustellen als Riester es je konnte. 50 Millionen Berechtigte, ein einfacheres System und ein erweiterter Kreis sind gute Voraussetzungen. Ob das Potenzial ausgeschöpft wird, hängt aber entscheidend davon ab, wie gut das neue System kommuniziert und von Anbietern umgesetzt wird. Mehr Informationen zur Berechtigung: Wer hat Anspruch auf das Altersvorsorgedepot? Den genauen Förderbetrag berechnet der Rechner zur staatlichen Förderung.
FAQ: Verbreitung des Altersvorsorgedepots
Wie viele Menschen sind beim AVD förderberechtigt?
Schätzungsweise rund 50 Millionen Menschen in Deutschland — sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Selbstständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Das ist deutlich mehr als beim bisherigen Riester-System.
Wie viele Verträge könnte das AVD erreichen?
Im mittleren Szenario werden mittel- bis langfristig 10 bis 20 Millionen aktive Verträge erwartet — vergleichbar mit dem Riester-Höhepunkt, aber mit einem deutlich breiteren Berechtigtenkreis.
Wie viel kostet das AVD den Staat jährlich?
Im mittleren Szenario rund 2,7 Milliarden Euro allein an Grundzulagen. Mit Kinderzulagen können es deutlich mehr sein — vergleichbar mit den Kosten des Riester-Systems in seinen Spitzenjahren.
Wie viel Förderung bekommt eine Familie mit zwei Kindern maximal?
Bei vollem Eigenbeitrag (1.800 Euro) ergibt sich eine Gesamtförderung von 1.140 Euro pro Jahr: 540 Euro Grundzulage + 600 Euro Kinderzulage. Über eine 15-jährige Förderphase sind das allein über 22.800 Euro Gesamtförderung durch Zulagen.