Altersvorsorgedepot kündigen oder wechseln: Deine Optionen
Das Altersvorsorgedepot ist als langfristiges Instrument konzipiert — aber Lebensumstände ändern sich. Vielleicht ist ein anderer Anbieter günstiger, die ETF-Auswahl beim aktuellen Anbieter zu eingeschränkt, oder du möchtest vorübergehend keine Beiträge mehr zahlen. Alle Optionen haben unterschiedliche Konsequenzen, die du vor einer Entscheidung kennen solltest.
Option 1: Vorzeitige Kündigung — die teuerste Variante
Eine vollständige Kündigung des Altersvorsorgedepots vor dem vollendeten 62. Lebensjahr ist möglich, hat aber erhebliche finanzielle Folgen.
Zulagenrückzahlung
Alle erhaltenen staatlichen Zulagen — Grundzulage, Kinderzulage und Berufseinsteigerbonus — müssen vollständig an die Zulagenstelle zurückgezahlt werden. Das betrifft sämtliche Zulagen aus der gesamten Vertragslaufzeit.
Steuerliche Nachversteuerung
Das gesamte ausgezahlte Kapital — nicht nur die Gewinne, sondern auch die eingezahlten Eigenbeiträge — wird nachversteuert. Die volle Einkommensteuer fällt auf den Gesamtauszahlungsbetrag an. Das kann zu einer erheblichen Steuerlast führen, besonders wenn in guten Einkommensjahren gekündigt wird.
Fazit: Eine vorzeitige Kündigung ist in fast allen Fällen die schlechteste Option und sollte nur als letzter Ausweg gewählt werden.
Option 2: Beiträge pausieren (Depot ruhend stellen)
Wenn du vorübergehend keine Beiträge zahlen kannst oder möchtest, ist das Pausieren der Beiträge die schonendste Variante. Das Depot bleibt bestehen, das bisher angesparte Kapital bleibt investiert und steuerlich begünstigt. Allerdings erhältst du für die Jahre ohne Einzahlung keine staatliche Zulage. Wenn sich deine finanzielle Situation erholt, kannst du die Beiträge jederzeit wieder aufnehmen.
Option 3: Anbieterwechsel (Depotübertrag)
Ein Anbieterwechsel ist der empfehlenswertere Weg, wenn du mit deinem aktuellen Anbieter unzufrieden bist. Das angesparte Kapital kann ohne steuerliche Konsequenzen zu einem anderen Anbieter übertragen werden — ein Depotübertrag löst keine Steuerpflicht aus. Die staatliche Förderung läuft beim neuen Anbieter nahtlos weiter.
Was beim Anbieterwechsel zu beachten ist
- Transfergebühren: Einige Anbieter erheben Gebühren für den ausgehenden Depotübertrag — vorab erfragen
- Kosten beim neuen Anbieter: Gesamtkosten (Depotgebühr, Orderkosten, ETF-Kosten) im Detail prüfen
- ETF-Auswahl: Hat der neue Anbieter die gewünschten ETFs?
- Übertragungszeit: Ein Depotübertrag kann einige Wochen dauern
- In-Kind-Transfer: Idealerweise werden ETF-Positionen direkt übertragen ohne Verkauf — prüfen, ob das unterstützt wird
Einen direkten Vergleich von Anbietern findest du auf der Seite Depot-Vergleich.
Wann lohnt sich ein Anbieterwechsel?
- Deutlich niedrigere Kosten: Spürbar geringere Gesamt-Jahreskosten schlagen sich über lange Laufzeiten erheblich nieder
- Bessere ETF-Auswahl: Ein bestimmter ETF ist beim aktuellen Anbieter nicht verfügbar
- Schlechterer Service: Technische Probleme oder mangelhafter Kundenservice
- Bessere Zulageabwicklung: Einige Anbieter beantragen die staatliche Zulage automatisch, andere erfordern manuelle Schritte
Schlafende Verträge: Was tun mit einem ruhenden AVD?
Wenn dein AVD über Jahre nicht bespart wurde, hast du folgende Möglichkeiten:
- Beiträge wieder aufnehmen und von der staatlichen Zulage profitieren
- Den Vertrag zu einem günstigeren Anbieter übertragen und dann wieder besparen
- Den Vertrag langfristig ruhend lassen — das angesparte Kapital wächst weiter, aber ohne weitere Zulagen
Eine Kündigung eines ruhenden Vertrags sollte vermieden werden, da die Rückzahlungspflicht für alle bisher erhaltenen Zulagen bestehen bleibt.
Checkliste vor dem Anbieterwechsel
- Transfergebühren beim aktuellen Anbieter erfragen
- Kosten des neuen Anbieters detailliert prüfen
- ETF-Verfügbarkeit beim neuen Anbieter bestätigen
- Prüfen, ob In-Kind-Transfer möglich ist
- Übertragungsdauer in Erfahrung bringen
- Zulageabwicklung beim neuen Anbieter klären
FAQ: AVD kündigen oder wechseln
Was passiert, wenn ich mein Altersvorsorgedepot kündige?
Bei vorzeitiger Kündigung vor dem 62. Lebensjahr müssen alle erhaltenen staatlichen Zulagen zurückgezahlt werden. Zusätzlich wird das gesamte ausgezahlte Kapital vollständig nachversteuert. Eine Kündigung ist fast immer die teuerste Option.
Kann ich zu einem anderen Anbieter wechseln?
Ja. Ein Anbieterwechsel per Depotübertrag ist jederzeit möglich und löst keine Steuer aus. Das Kapital wird direkt zum neuen Anbieter übertragen; die staatliche Förderung läuft nahtlos weiter.
Kann ich meine Beiträge einfach pausieren?
Ja. Du kannst Beiträge jederzeit pausieren, ohne das Depot zu kündigen. In den Jahren ohne Eigenbeitrag erhältst du keine staatliche Zulage, aber das bereits angesparte Kapital bleibt steuerlich begünstigt investiert.
Wie lange dauert ein Anbieterwechsel?
Ein Depotübertrag dauert in der Regel einige Wochen. Transfergebühren können anfallen — die Höhe sollte beim aktuellen Anbieter erfragt werden.
Wann lohnt sich ein Wechsel zu einem neuen Anbieter?
Wenn der neue Anbieter deutlich niedrigere Gesamtkosten hat, eine bessere ETF-Auswahl bietet oder besseren Service leistet. Über eine lange Laufzeit kann ein Kostenvorteil von 0,3–0,5 % pro Jahr einen erheblichen Unterschied beim Endkapital machen.