Altersvorsorgedepot für Selbstständige: Was ist neu?
Eine der wichtigsten Neuerungen des Altersvorsorgedepots gegenüber dem alten Riester-System betrifft Selbstständige: Sie sind ab 2027 vollständig förderberechtigt. Riester war für die meisten Selbstständigen unzugänglich, weil die Förderung an eine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung geknüpft war. Das AVD löst diese Einschränkung auf. Alle grundlegenden Informationen zur Berechtigung findest du auf der Seite Wer hat Anspruch auf das Altersvorsorgedepot?
Warum ist das für Selbstständige so bedeutend?
Selbstständige in Deutschland stehen vor einer besonderen Herausforderung in der Altersvorsorge: Sie zahlen in der Regel keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und haben damit im Alter keine oder nur geringe gesetzliche Rentenansprüche. Gleichzeitig waren die klassischen staatlich geförderten Vorsorgewege bislang auf diese Gruppe weitgehend verschlossen. Das AVD ändert das grundlegend.
Wie viel Förderung erhalten Selbstständige?
Die Förderlogik ist für Selbstständige identisch mit der für Arbeitnehmer:
- 50 Cent je gespartem Euro auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag — bis zu 180 Euro Grundzulage
- 25 Cent je gespartem Euro auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro — bis zu 360 Euro zusätzlich
- Maximale Grundzulage: 540 Euro pro Jahr bei 1.800 Euro Eigenbeitrag
- Kinderzulage: bis zu 300 Euro pro kindergeldberechtigtem Kind
- Berufseinsteigerbonus: 200 Euro einmalig bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag
Ein Selbstständiger ohne Kinder, der 1.800 Euro pro Jahr einzahlt, erhält 540 Euro staatliche Zulage — der effektive Sparbetrag steigt auf 2.340 Euro. Den genauen Förderbetrag berechnest du mit dem Rechner zur staatlichen Förderung.
Steuerliche Aspekte für Selbstständige
- Ansparphase: Keine Kapitalertragsteuer auf Erträge im Depot
- Auszahlungsphase: Vollständig nachgelagerte Besteuerung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz
- Sonderausgabenabzug: Ob und in welchem Umfang Eigenbeiträge steuerlich als Sonderausgaben geltend gemacht werden können, hängt von der individuellen Steuersituation ab und sollte im Einzelfall mit einem Steuerberater geklärt werden.
AVD vs. Rürup-Rente für Selbstständige
Wann ist das AVD die bessere Wahl?
Das AVD ist tendenziell besser für Selbstständige mit mittlerem Einkommen, die von der staatlichen Zulage profitieren, dabei flexibel bleiben und günstige ETFs nutzen wollen. Wer einen langen Anlagehorizont hat und nicht auf eine planbare monatliche Rente angewiesen ist, profitiert von der Kombination aus Förderung, Kostendeckelung und Kapitalmarktorientierung.
Wann ist Rürup die bessere Wahl?
Rürup lohnt sich besonders für Selbstständige mit sehr hohem Einkommen und entsprechend hohem Grenzsteuersatz. Hier kann der steuerliche Sonderausgabenabzug wertvoller sein als die direkte Zulage. Außerdem für diejenigen, die explizit eine lebenslange Rentenzahlung wünschen.
Können beide kombiniert werden?
Ja. AVD und Rürup schließen sich nicht gegenseitig aus. Eine individuelle Beratung durch einen Steuerberater ist in diesem Fall empfehlenswert.
Die AVD-Vorteile für Selbstständige auf einen Blick
- Erstmals vollständig förderberechtigt — keine Ausschlüsse mehr wie bei Riester
- Direkte staatliche Zulage unabhängig vom Steuersatz
- Flexibles Depot mit ETF-Investitionen möglich
- Kein starres Garantieprodukt — mehr Renditechance
- Kostenlimit für Standardprodukt schützt vor überhöhten Gebühren
- Anbieterwechsel ohne steuerliche Nachteile möglich
FAQ: AVD für Selbstständige
Sind Selbstständige beim Altersvorsorgedepot förderberechtigt?
Ja, vollständig. Das ist eine der zentralen Neuerungen gegenüber Riester. Selbstständige erhalten dieselbe Grundzulage wie Arbeitnehmer — bis zu 540 Euro pro Jahr bei 1.800 Euro Eigenbeitrag.
Muss ich mich in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern, um das AVD nutzen zu können?
Nein. Der Gesetzgeber hat beim AVD auf die frühere Anforderung einer gesetzlichen Rentenversicherungspflicht verzichtet. Selbstständige sind direkt förderberechtigt.
Ist AVD oder Rürup für Selbstständige besser?
Das hängt vor allem vom Einkommen ab. Bei hohem Grenzsteuersatz lohnt sich Rürup oft mehr; bei mittlerem Einkommen oder wenn Flexibilität und ETF-Investitionen wichtig sind, ist das AVD häufig die bessere Wahl. Beide lassen sich auch kombinieren.
Kann ich Beiträge zum AVD steuerlich absetzen?
Ob und in welchem Umfang ein Sonderausgabenabzug möglich ist, hängt von der individuellen Steuersituation ab. Eine Klärung mit einem Steuerberater ist empfehlenswert.
Wo gibt es weitere Informationen zur Förderung?
Alle Eckdaten zur staatlichen Förderung findest du auf der Seite Förderung und Steuern beim Altersvorsorgedepot sowie im Glossar zum Altersvorsorgedepot.